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Investment · Regulierung31. Juli 2026

Eigenen Investmentfonds gründen 2026: Rechtliche Optionen für die Verwaltung von Kundengeldern im Überblick

Wer eine eigene Vermögensverwaltung oder einen kleinen Fonds aufbauen möchte, trifft im DACH-Raum auf ein dichtes Regelwerk: BaFin, FMA, FINMA. Warum diese Regulierung besteht, welche legalen Strukturen international zur Verfügung stehen – und wo die Grenzen liegen, besonders bei der oft zitierten «Reverse Solicitation».

Von Philipp Steiner
Eigenen Investmentfonds gründen 2026 – rechtliche Optionen für die Verwaltung von Kundengeldern
Das Wichtigste in Kürze
  • ✛Die Aufsicht knüpft am Wohnsitz der Anleger an, nicht am Sitz des Fonds.
  • ✛Aktive Werbung um deutsche Privatanleger ohne Erlaubnis ist nach § 32 KWG strafbar.
  • ✛Reverse Solicitation ist eine enge Ausnahme, kein Geschäftsmodell.
  • ✛Der BVI Incubator Fund erlaubt bis zu 20 Investoren und USD 20 Mio. Volumen.
  • ✛Eine günstige Lizenz ohne Bankanbindung löst das praktische Problem nicht.

Warum die Verwaltung fremder Gelder reguliert ist

Wichtig

Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung durch einen auf Finanzmarkt- und Investmentrecht spezialisierten Anwalt. Wer fremde Gelder ohne die erforderliche Erlaubnis verwaltet, begeht in den meisten Rechtsordnungen eine Straftat.

Wer das Geld anderer verwaltet, hat einen erheblichen Informationsvorsprung und faktische Kontrolle über fremdes Vermögen. Genau diese Konstellation hat historisch zu den grössten Anlegerschäden geführt – von Schneeballsystemen bis zu Betrugsfällen bei vermeintlich seriösen Verwaltern. Zulassungspflichten, Wirtschaftsprüfer, Verwahrstellen und Meldepflichten sollen diese Informationsasymmetrie ausgleichen.

Dass strenge Regeln kleinen, seriösen Anbietern den Marktzugang erschweren, ist ein international anerkanntes Spannungsfeld. Für die Planung entscheidend ist aber: Die Regulierung besteht und ist strafbewehrt. Die Frage ist nicht, wie man sie «umgeht», sondern welche legalen Strukturen und Ausnahmen tatsächlich zur Verfügung stehen.

Wo die Aufsicht ansetzt: Anlegerwohnsitz statt Fondsdomizil

Ein verbreitetes Missverständnis: Ein Fonds in einer Offshore-Jurisdiktion mache die heimische Aufsicht irrelevant. Das trifft nicht zu. Deutsche, österreichische und Schweizer Aufsichten knüpfen primär daran an, wo sich die Anleger befinden – nicht, wo der Fonds registriert ist.

Wer von Deutschland aus aktiv deutsche Privatanleger für eine Offshore-Struktur anwirbt, betreibt nach § 32 KWG grundsätzlich unerlaubt Finanzdienstleistungen – unabhängig vom Sitz der Gesellschaft. Erst das Zusammenspiel aus Fondsstruktur, Anlegerwohnsitz und Vertriebsweg entscheidet über die Zulässigkeit.

Reverse Solicitation: eine enge Ausnahme, kein Geschäftsmodell

Bei der Reverse Solicitation (passive Dienstleistungsfreiheit) kontaktiert ein Anleger von sich aus und unaufgefordert einen Anbieter ausserhalb der EU – der dann unter bestimmten Voraussetzungen ohne lokale Zulassung tätig werden kann.

Europäische Aufsichtsbehörden, einschliesslich der ESMA, legen diese Ausnahme seit Jahren zunehmend eng aus und prüfen den Gesamtzusammenhang, nicht nur die Reihenfolge der Kontaktaufnahme. Wird planmässig eine Marke, ein Blog, ein Social-Media-Auftritt oder ein Track Record aufgebaut, um Anleger zur Kontaktaufnahme zu bewegen, kann das als aktive, mittelbare Anlagevermittlung gewertet werden – auch wenn die letzte E-Mail formal vom Anleger kam.

Wichtig

Reverse Solicitation ist eine im Einzelfall zu prüfende Ausnahme für tatsächlich unaufgefordert herantretende Anleger – kein tragfähiges Fundament für ein systematisch auf EU-Kunden ausgerichtetes Geschäftsmodell.

Strukturen im Überblick

Je nach Kapitalvolumen und Ambition kommen unterschiedliche Strukturen infrage. Die Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Informationen; Investoren- und Volumengrenzen können sich ändern und sollten von spezialisierten Anwälten vor Ort verifiziert werden.

Managed Account / PAMM über einen regulierten Broker

Jeder Anleger eröffnet ein eigenes Konto beim Broker und erteilt eine beschränkte Handelsvollmacht (Limited Power of Attorney). Der Verwalter erhält nie direkten Zugriff auf die Gelder. In Deutschland bleibt gewerbliche Vermögensverwaltung dennoch erlaubnispflichtig – hierfür gibt es das Haftungsdach-Modell, bei dem man sich als vertraglich gebundener Vermittler an ein lizenziertes Institut anbindet.

BVI Incubator Fund

Eine reduziert regulierte Struktur der British Virgin Islands für Fondsmanager am Anfang ihrer Laufbahn: maximal 20 «sophisticated private investors» mit mindestens USD 20’000 Anlage, Fondsvolumen bis USD 20 Mio. Wirtschaftsprüfer, externer Fund Administrator und Verwahrstelle sind nicht zwingend. Die Struktur ist befristet (meist zwei bis drei Jahre) und muss danach überführt werden.

BVI Approved Fund

Die Anschlussstruktur: Volumen bis USD 100 Mio., unbefristet, mit Pflicht zu einem externen Fund Administrator. Ein Wirtschaftsprüfer bleibt nicht zwingend.

Weitere Strukturen

International genutzt werden unter anderem der Bahamas SMART Fund, die Cayman Islands SPC (Segregated Portfolio Company) für institutionelle Volumina, der Malta Professional Investor Fund (PIF) als EU-Struktur mit Passporting sowie der estnische Small Fund Manager für illiquide Anlageklassen. Jede Struktur hat eigene Grenzen, Melde- und Substanzpflichten.

Wichtig

Auch die günstigsten Offshore-Lizenzen – etwa St. Vincent und die Grenadinen, Seychellen oder Vanuatu – lösen das praktische Problem meist nicht: Banken und Broker verlangen belastbare Substanz, bevor sie ein Konto für Kundengelder eröffnen. Eine Lizenz ohne bankfähige Kontoanbindung ist oft wertlos.

Deutschland: Warum das KAGB für kleine Fonds unattraktiv ist

Wer in Deutschland fremdes Geld über den privaten Freundeskreis hinaus bündeln will, braucht grundsätzlich eine Erlaubnis oder Registrierung nach dem Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB). Für kleinere Manager relevant ist die registrierte Kapitalverwaltungsgesellschaft («Mini-KVG»): geringere Anforderungen als die voll regulierte KVG, aber in der Regel nur professionelle und semiprofessionelle Anleger – Letztere meist mit EUR 200’000 Mindestanlage. Setup-Kosten realistisch EUR 30’000–50’000, laufend rund EUR 20’000 pro Jahr.

Ausnahme: privater Investmentclub (GbR)

Bleiben alle Anleger gleichberechtigte Gesellschafter mit echtem Mitspracherecht, liegt die Gesellschafterzahl unter 50 und das Volumen unter den Schwellenwerten, und wird nicht öffentlich um Mitglieder geworben, bewegt sich das Modell ausserhalb der KAGB-Erlaubnispflicht. Zu beachten ist die unbeschränkte persönliche Haftung aller Gesellschafter – bei gehebelten Strategien ein reales Risiko.

BVI Incubator Fund, KAGB-Mini-KVG und die Grenzen von Reverse Solicitation

Kosten- und Komplexitätsvergleich 2026

Grobe Orientierungswerte auf Basis öffentlich verfügbarer Informationen – vor einer Entscheidung aktuell verifizieren:

StrukturSetup (ca.)Laufend p. a. (ca.)Zulässige Anleger
Deutschland, registrierte KVGEUR 30’000–50’000EUR 20’000Überwiegend (semi-)professionell, meist ab EUR 200’000
Estland, Small Fund ManagerEUR 20’000–30’000EUR 10’000Professionelle Anleger, Ausnahmen möglich
BVI Incubator FundUSD 10’000USD 5’000–8’000Max. 20 (ab USD 20’000)
Managed Account über HaftungsdachgeringBroker-/Haftungsdach-GebührenBreiter, abhängig vom Institut

Was Sie vor der Gründung prüfen sollten

  • ✛Wo sitzen Ihre Anleger tatsächlich? Das bestimmt, welche Aufsichtsregime relevant sind – unabhängig vom Fondsdomizil.
  • ✛Aktive oder tatsächlich passive Kundengewinnung? Bauen Sie den Vertrieb nicht auf einer Reverse-Solicitation-Auslegung auf, die einer Prüfung nicht standhält.
  • ✛Gibt es eine realistische Bankanbindung? Eine Lizenz ohne Konto für Kundengelder ist praktisch wertlos.
  • ✛Wie tragfähig ist Ihr Track Record? Günstige Strukturen wie der BVI Incubator Fund sind als Übergang gedacht, nicht als Dauerlösung.
  • ✛Wer haftet im Streitfall? Bei der GbR ist die unbeschränkte persönliche Haftung ein wesentlicher Faktor.

Wie SWICOR Sie unterstützt

Unser Schwerpunkt liegt auf der US-seitigen Gesellschaftsstruktur – etwa wenn Sie im Rahmen eines Investment Clubs oder einer Managed-Account-Struktur eine US-LLC als Trägergesellschaft nutzen möchten (siehe auch US Corporation, LLC und LP sowie Florida-LLC). Für die finanzaufsichtsrechtliche Einordnung – ob und wo eine Lizenz nötig ist und wie belastbar eine Reverse-Solicitation-Struktur ist – vermitteln wir an spezialisierte Kanzleien für Finanzmarktrecht.

Trägerstruktur von Anfang an solide aufsetzen.

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Fazit

  • ✛Die Verwaltung fremder Gelder ist streng reguliert – aus Gründen des Anlegerschutzes, nicht nur als Marktzugangsbarriere.
  • ✛Der Wohnsitz der Anleger, nicht der Sitz des Fonds, bestimmt die zuständige Aufsicht.
  • ✛Reverse Solicitation ist eine enge Ausnahme und sichert keine gezielt auf EU-Anleger ausgerichtete Marketingstrategie ab.
  • ✛International gibt es abgestufte, seriöse Strukturen – vom Managed Account über den BVI Incubator Fund bis zu institutionellen Vehikeln in Luxemburg oder Irland.
  • ✛Eine günstige Lizenz ohne Bankanbindung löst das praktische Problem nicht.

Häufige Fragen

Kann ich einfach einen Offshore-Fonds gründen und deutsche Kunden bedienen?

Nicht ohne Weiteres. Die deutsche Aufsicht knüpft am Wohnsitz der Anleger an. Aktive Werbung um deutsche Privatanleger für eine nicht lizenzierte Auslandsstruktur ist grundsätzlich eine Straftat nach § 32 KWG.

Ist Reverse Solicitation eine verlässliche Methode, um EU-Regulierung zu umgehen?

Nein, nicht als systematisches Geschäftsmodell. Aufsichtsbehörden prüfen den Gesamtzusammenhang der Kundengewinnung und können eine gezielte Marketingstrategie als aktive Vermittlung werten.

Was ist ein BVI Incubator Fund?

Eine reduziert regulierte Fondsstruktur der British Virgin Islands für bis zu 20 Investoren und maximal USD 20 Mio. Volumen, ohne zwingenden Wirtschaftsprüfer oder Verwahrstelle – gedacht für Manager am Anfang ihrer Laufbahn.

Warum ist das KAGB für kleine Fonds oft unattraktiv?

Weil selbst die registrierte «Mini-KVG» hohe Setup- und laufende Kosten verursacht und in der Regel nur professionelle Anleger mit hoher Mindestanlage zulässt.

Ist ein privater Investmentclub (GbR) eine gute Alternative?

Für einen kleinen, tatsächlich privaten Kreis mit echtem Mitspracherecht kann er praktikabel sein – allerdings mit unbeschränkter persönlicher Haftung und striktem Werbeverbot.

Ihre Fondsstruktur auf solidem Fundament

Wir setzen die Trägerstruktur auf und vermitteln Sie für die aufsichtsrechtliche Prüfung an spezialisierte Kanzleien für Finanzmarktrecht.

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Analyse und ersetzt keine individuelle Steuer- oder Rechtsberatung. Regelungen ändern sich; massgeblich ist der Stand zum Publikationsdatum.

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